Mar 292010
 

In einem Realschulkurs der 8.Klasse habe ich im Informatikkurs nach anfänglich gleichem Einstieg wie in der 9.Klasse zum Thema “Web 2.0.” mit Social Bookmarking und Wikipedia-Quellenkritik auch das Thema “Sicherheit und Publizieren im Netz” behandelt.
Dann habe ich in diesem Kurs allerdings nicht mit Blogs weitergearbeitet wie in der 9.Klasse, sondern mit einer eigenen Wiki-Installation.

Nach zwei Doppelstunden Unterricht mit einem Wiki möchte ich nun die Ergebnisse zusammenfassen.

1.Stunde:

  • Wiederholung Sicherheit und Passwörter nach den 2 Wochen Ferien: Kleine Aufgaben aus dem Informatik-Biber wurden mündlich in Kleingruppen bearbeitet, dann im Plenum vorgestellt.
  • Erste Aufgaben direkt über mein Wiki zu bearbeiten:

2.Stunde:

  • Weiterbearbeiten der ersten Aufgabe “Ich packe meinen Koffer”

Konflikte 1./2. Stunde:

  • Schüler_innen sind Chats u.ä. gewohnt, daher verlassen sie die Editier-Umgebung nicht, sondern schreiben ohne zu veröffentlichen / speichern.
  • Schüler_innen überschreiben sich Versionen gegenseitig, da alle gleichzeitig auf einer Seite gearbeitet hatten (mein Planungsfehler)
  • Schüler_innen beleidigen sich gegenseitig und löschen gegenseitig Inhalte (virtuelle Kommunikation wirkt anonymer auf Schüler_innen)
  • Das Interesse liegt vor allem in der Kommunikation, das Nutzungsverhalten ähnelt dem von sozialen Netzwerken wie SchülerVZ oder facebook, in denen die meisten Schüler_innen einen Account haben
  • Teilweise wird bei technischen Problemen einfach abgewartet, ob ich bemerke, das sie nichts zu tun, statt Initiative zu ergreifen
  • “virtuelle” Aufgaben wirken weniger ernst zu nehmen als schriftliche Arbeitsblätter

3. / 4.Stunde:

  • Thematisierung: “Umgangsformen im Internet” (siehe 1./2. Stunde Konflikte)
  • Neue Aufgabe, diesmal in Kleingruppen (gelost, je 2 – 3 Personen)
    Erst hatte ich überlegt, sie nach Bildern aussuchen zu lassen, zu welcher Kleingruppe sie gehören, dann hab ich dies verworfen. Selbst das Auslosen und mit “Fremden” aus dem Kurs zu kooperieren war nicht immer einfach.

Konflikte 3./4. Stunde:

  • Viele hatten ihr Passwort für das Wiki über die letzte Woche vergessen, daher mussten wir einige Benutzerkonten neu einrichten
  • Viele Fragen werden bereits gestellt, ohne selbst nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen oder sehr allgemein: “Ich versteh das Alles nicht, was Sie von mir wollen”
  • Trotz individuellem Ermahnen wegen Beleidigungen und Umgangsformen werden von Einzelnen weiterhin “lustige” Texte veröffentlicht, die Verlockung scheint sehr groß zu sein
  • Die Schüler_innen klicken schnell an verschiedene Stellen, gehen dann wieder zurück und brauchen einige Zeit für das Navigieren in Wikis (“Wo ist jetzt nochmal die Seite?”)
  • Die Ergebnisse sind sehr knapp, es wird schnell mal auf eine “Online-Spieleseite” gewechselt und bei Kritik aufgrund der Kürze auf “bei mir geht das nicht mit der Seite” verwiesen (Motivation?)
  • das Internet ist sehr verlockend, ausufernde Ablenkungen zu finden, statt zu arbeiten
  • die Gemeinsamkeiten zwischen “offline” Textverarbeitungen wie MS-Word und online Editoren wie einem Wiki-Editor werden kaum erkannt, da nicht direkt (wie z.B. auf einem Blog) “What you see is what you get” editiert wird, sondern mit einer Beschreibungssprache ähnlich html.

Beispielhafte Ergebnisse der 3./4. Stunde:



Fazit:

  • Freies Arbeiten mit Web 2.0. Anwendungen im Schulunterricht braucht eine Menge Eigenverantwortung und klare Strukturen, was die Erwartungshaltung an die Ergebnisse betrifft
  • Zeiten für technische Konflikte und gegen unsachgemäße Verwendung einplanen
  • Wikis haben gegenüber Blogs viel wenig persönlichen und gestalterischen Spielraum. Gerade diese Spielräume motivieren Schülerinnen und Schüler aber besonders.

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  2 Responses to “[Informatik-Unterricht] Wiki-Nutzung im Unterricht”

  1. Die Ergebnisse der 3./4. Stunde sind nicht sehr umfangreich. Eine genauere Darstellung deiner Ergebniserwartung mit einem Beispiel könnte da Abhilfe schaffen und den Schülern aufzeigen was in etwa von ihnen erwartet wird. Ansonsten hast du in deinem Fazit wohl schon die wesentlichen Problempunkte erwähnt.

  2. ja, das stimmt auf jeden fall mit klarheiten, was für ergebnisse erwartet werden das ist wichtig. es gab aber auch nebenbei so einige konflikte und destruktives verhalten, was meine energie in der doppelstunde sehr beansprucht haben …

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